Jakob

Als er wieder herunterkam, fielen mir zuerst seine Haare auf. Anstelle der Braunen, schwammen jetzt Locken aus Licht um seinen Kopf. Der ganze Junge war gewachsen, in die Breite, in die Höhe. An den Schultern waren seine Stümpfe noch frisch und sprachen von jüngstem Opfer, großem Leid. Doch sprossen dort schon winzige Blätter, Vorboten seiner neuen Bestimmung.

Es dauerte lange, bis er den Fuß der Treppe erreicht hatte. Als die nackten Füße den Boden berührten, verlor sie ihren Glanz und hüllte sich in ein Haus, warf einen Mantel über sich, und man hätte erneut meinen können, dass sie in ein Attica führte.

Er bat um meine Hand, mit einem deutenden Nicken. Ich streckte sie ihm hin und er nibbelte an meinen Fingern. Wie jedesmal, wenn er das tat, flatterte irgendwo in mir ein Schwarm Fledermäuse los, wild schreiend, doch unhörbar. Seine Augen waren mit einer Fremdheit gefüllt, deren Sprache ich nie lernen können würde.

Ich weiß, er würde es nicht gern hören, doch für mich war er bereits vor seinem Opfer göttlich genug gewesen. Doch mir war es wichtiger, dass er meinen Rückhalt sicher wusste, egal was ich fühlte. Heute vermisse ich ihn und frage mich dann und wann, warum ich ihn gehen lassen habe.

Auf irgendeinem Berg dort draußen könnte ich stehen und einen Blick auf ihn erhaschen. Aber er würde das nicht wollen. Wir hatten versprochen unsere eigenen Leben weiterzuleben. Nicht so, als hätte es uns nie gegeben.

Sondern im Wissen, dass jeder Mensch eben irgendwann geht, wenn auch nur, um ein Engel zu werden.

Leave a Comment

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s